Inhalt

20.000 Kinder, ein Lastwagen und sechs Paar Augen

Zwischenbilanz nach zwölf Jahren der Aktion „Toter Winkel“ im Kreis Mettmann

Bild vergrößern: Alle Kinder der 4b von der Gruitener Gemeinschaftsgrundschule stehen im Toten Winkel und können vom Lkw-Fahrer nicht gesehen werden. © Kreis Mettmann
Alle Kinder der 4b von der Gruitener Gemeinschaftsgrundschule stehen im Toten Winkel und können vom Lkw-Fahrer nicht gesehen werden.

Kreis Mettmann. „Ich sehe den Lkw, also kann mich der Fahrer auch sehen“ – ein gefährlicher Irrtum. Bei der Aktion „Toter Winkel“ im Kreis Mettmann erleben Kinder seit zwölf Jahren selbst, wie leicht sie aus dem Blickfeld eines Lkw-Fahrers verschwinden können. Dafür setzen sie sich ans Steuer und versuchen, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler in den Spiegeln zu entdecken. Doch einige stehen im toten Winkel und sind nicht zu sehen. Diese Erfahrung bleibt im Gedächtnis und macht die Gefahren im Straßenverkehr unmittelbar begreifbar.

Gestartet wurde das Projekt 2014 von der Kreisverkehrswacht Mettmann. Erster Projektpartner war die Spedition Caspers aus Wülfrath. In den folgenden Jahren kamen kontinuierlich weitere Unternehmen und Organisationen hinzu. Aus der ursprünglichen Zusammenarbeit ist inzwischen ein fest etabliertes Gemeinschaftsprojekt geworden. Heute wird die Aktion gemeinsam vom Straßenverkehrsamt, der Kreisverkehrswacht Mettmann und der Kreispolizeibehörde getragen. Möglich wird die praktische Erfahrung durch 14 Kooperationspartner, die ihre Fahrzeuge und Beschäftigten für die Schulungen zur Verfügung stellen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit.

Wie groß die Reichweite der Aktion inzwischen ist, zeigen die Zahlen für 2026: Bereits 57 der insgesamt 78 Grundschulen im Kreis Mettmann nahmen an der Aktion teil. Dabei wurden 152 Klassen mit durchschnittlich 25 Kindern erreicht. Rund 3.800 Schülerinnen und Schüler konnten so für die Gefahren des toten Winkels sensibilisiert werden. In den vergangenen zwölf Jahren waren es insgesamt rund 20.000 Kinder. Hinter diesen Zahlen stehen vor allem viele kleine Aha-Momente.

Tanja Smigoc begleitet die Aktion als Projektleiterin seit ihren Anfängen. Im Unterricht stellt sie den Kindern immer wieder eine einfache Frage: „Kein Fahrer hat sechs Paar Augen. Oder kennt ihr jemanden mit sechs Paar Augen?“ Die Antwort kommt meist laut und geschlossen aus der Klasse: „Nein!“ Genau darum geht es: Die Kinder sollen nicht nur hören, dass es einen toten Winkel gibt, sondern ihn selbst erleben.

Dafür kommt ein großer Lkw auf den Schulhof. Die Kinder gehen um das Fahrzeug herum, schauen, probieren aus und dürfen schließlich selbst auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Plötzlich wird sichtbar, was vorher nur eine abstrakte Warnung war: Auch ein aufmerksamer Fahrer kann Menschen übersehen. Kameras, Spiegel und zusätzliche Bildschirme können helfen, den Überblick zu verbessern. Sie ersetzen jedoch nicht die Aufmerksamkeit des Fahrers.

Damit die Eindrücke nicht schon auf dem Heimweg wieder verblassen, verbindet die Aktion die praktische Erfahrung mit einem theoretischen Teil. Gemeinsam mit der Kreispolizeibehörde hat das Straßenverkehrsamt einen Flyer entwickelt, bei dessen Gestaltung auch die Kinder selbst einbezogen wurden. Darin finden die Schülerinnen und Schüler die wichtigsten Regeln rund um den toten Winkel – verständlich, anschaulich und ergänzt durch ein Quiz. Wer die Fragen richtig beantwortet, kommt am Ende auf ein Lösungswort.

Für den Alltag bleibt eine einfache Regel: Abstand halten und sich nicht unmittelbar neben oder hinter einem großen Fahrzeug aufhalten. Oder, wie Tanja Smigoc es den Kindern mit auf den Weg gibt: „Der Fahrer muss aufpassen, dass niemand zu Schaden kommt. Aber auch wir können etwas dafür tun, dass wir sicher unterwegs sind: Wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen, kommen wir sicherer durch den Straßenverkehr.“

Übrigens: Auch Erwachsene profitieren von dieser Aktion in den Pedelec-Kursen der Kreisverkehrswacht. Uta Heber-Wenzel, Amtsleiterin des Straßenverkehrsamtes im Kreis Mettmann und passionierte Radfahrerin, war selbst überrascht, wie groß der tote Winkel aus der Perspektive eines Lkw-Fahrerhauses tatsächlich ist – und wie wenig ein Fahrer von dort oben vom unmittelbaren Verkehrsgeschehen vor seinem Fahrzeug wahrnimmt. Ihre Erkenntnis aus dem Kurs: „Seitdem ich selbst einmal im Fahrerhaus gesessen habe, bleibe ich mit meinem Fahrrad an einer Ampel grundsätzlich hinter einem Lkw.“

Die Kreisverwaltung Mettmann, die Kreisverkehrswacht und die Kreispolizeibehörde danken den 14 Kooperationspartnern für ihre langjährige Unterstützung. Ohne ihre Fahrzeuge, die investierte Zeit und das Engagement ihrer Beschäftigten wäre diese Form der Präventionsarbeit nicht möglich.

Die wichtigste Erkenntnis nehmen die Kinder mit auf ihren Weg: Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte sich nie darauf verlassen, vom Fahrer eines großen Fahrzeugs gesehen zu werden. Abstand halten, aufmerksam bleiben und Rücksicht nehmen – damit alle sicher ans Ziel kommen.

Kooperationspartner:

Stadtwerke Velbert, Spedition Jachmann, UPS, Abschleppdienst Prause Hilden, Firma WITTE Automotive GmbH, JK-Transport und Logistik, Interback-Backbedarf GmbH, THW-Ortsverbände Velbert, Hilden, Erkrath, Haan, Spedition Caspers, Technische Betriebe Velbert, Technische Betriebe Ratingen, Containerdienst Hofius.

Herausgeber

Logo KME_hoch_transparent
Pressestelle des Kreises Mettmann

Telefon: 02104 99-1074
Telefax: 02104 73855
E-Mail: presse@kreis-mettmann.de